{"id":735,"date":"2012-08-13T09:41:00","date_gmt":"2012-08-13T06:41:00","guid":{"rendered":"http:\/\/dungeondigger.com\/?p=735"},"modified":"2021-02-22T21:42:56","modified_gmt":"2021-02-22T20:42:56","slug":"dorthin-wo-die-sonne-aufgeht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/munich-munich.com\/?p=735","title":{"rendered":"21. Etappe: Dorthin, wo die Sonne aufgeht: Vladivostok &#8211; Hakodate"},"content":{"rendered":"<p>Japan!<br \/>\nBin zwar schon nah dran, nur von Vladivostok aus will ich nicht nach Japan, denn mit meinem Motorrad komme ich nicht auf direktem Wege rein. Ich habe kein Carnet de Passage. Aber das braucht man f\u00fcr Japan&#8230;au\u00dfer man versucht es mit nem Trick.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/20120816-205719.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/20120816-205719.jpg?w=525\" alt=\"20120816-205719.jpg\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Und der Trick ist, \u00fcber Sachalin nach Hokkaido mit der F\u00e4hre zu fahren. Das Carnet de Passage wird in Japan nicht von den Grenzbeamten abgestempelt, sondern von Mitarbeitern des Japanischen Automobilclubs (JAF). Das n\u00e4chste B\u00fcro befindet sich allerdings in Sapporo, knapp sechs Stunden von Wakkanai, meinem Ankunfthafen. Also m\u00fcsste man zuerst nach Sapporo (ohne eigenes Fahrzeug, da ja noch keine Einreisebewilligung ohne best\u00e4tigtes Carnet) und wieder zur\u00fcck, damit die weitere Bearbeitung durch die Grenzbeamten erfolgen kann. Und das will man den Reisenden nicht zumuten. Soweit die Erfahrungsberichte anderer Reisende. Ich hoffe, es klappt.<br \/>\nZuerst geht&#8217;s mit dem Motorrad an Chabarowsk vorbei nach Vanino. Kostya ist anfangs etwas beleidigt, dass ich nicht bei ihm vorbei schaue, aber ich will die n\u00e4chste F\u00e4hre nach Hokkaido erwischen. Dazu muss ich aber auch erst mal nach Sachalin und will nicht unn\u00f6tig Zeit verlieren. Und was macht Kostya? Er schickt nen Freund voraus, der mich knapp 200 km hinter Chabarowsk an der Abzweigung nach Vanino abf\u00e4ngt und mir eine Telefonnummer eines weiteren Freundes in Vanino gibt. SMS h\u00e4tte es zwar auch getan, aber das w\u00e4re nicht russisch genug. Das war wie aus nem schlechten Film: Mitten im Nirgendwo, wartet verlassen ein Typ von nem B\u00e4r an einer Kreuzung und spricht einen an: &#8222;Bist Du Christian von Vladivostok nach Vanino?&#8220; Und dann dr\u00fcckt er mir sein Handy in die Hand, mit dem Hinweis: &#8222;Nummer Freund Vanino&#8220;. Das stand dann auf dem Display. Dann noch die Info, dass f\u00fcr die schlechte Strecke von 350 km mindestens f\u00fcnf Stunden einzuplanen sind. F\u00fcnf Stunden ist die Zeit, die er braucht, wenn er Gas gibt. Ok, dann w\u00e4re es kurz nach elf&#8230;nachts. Da wollte ich nicht unbedingt mehr fahren, aber der Freund wei\u00df bereits Bescheid \u00fcber mein sp\u00e4tes Kommen. Das soll wohl meine l\u00e4ngste Tagesetappe bislang werden von knapp 1.300 km, davon 300 km Offroad (wenn auch nur &#8222;soft&#8220;, aber gro\u00dfteils im Dunkeln). Na, Dankesch\u00f6n. Das ist wieder eine dieser Aktionen, bei denen ich ernsthaft \u00fcberlege, mir die Freundschaft zu k\u00fcndigen. Allerdings hab ich grad keine Zeit f\u00fcr Diskussionen und fahre weiter, ohne auch nur ein weiteres Wort mit mir zu reden. Ist auch nicht n\u00f6tig, mein iPhone beschallt mich u.a. mit den Beatsteaks &#8222;Hail to the freaks&#8220;. Passt. \ud83d\ude09 Die Strecke ist landschaftlich wirklich grandios, aber all zu sehr kann ich&#8217;s nicht genie\u00dfen, da sie doch einige Konzentration abverlangt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/MG_3104.jpg?w=525\" alt=\"\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/p>\n<p>Gro\u00dfteils eine reine Baustelle, da sie geteert werden soll. Irgendwann. Dann verlie\u00df mich die Sonne und weiter ging&#8217;s durch die Nacht.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/MG_3133.jpg?w=525\" alt=\"\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/p>\n<p>Die f\u00fcnf Stunden kann ich nicht ganz einhalten. Zehn Minuten brauche ich l\u00e4nger. Wohl zu lang, denn Kostyas Freund geht nicht ans Telefon. War klar. Ok, dann halt ein Hotel. Dort wissen sie bestimmt, wann die n\u00e4chste F\u00e4hre geht. Um 6:00 Uhr morgens!? Ich soll sofort zum Hafen, denn das Ticket muss ich vor Abfahrt kaufen. Schlaf! Ach, s\u00fc\u00dfer Schlaf! Wie gern w\u00fcrde ich jetzt schlafen&#8230;aber jemand, mit dem ich nicht mehr rede, hatte ja ne ach so geniale Idee. Hilft nix. Passierschein beantragen, in den Hafen, zur F\u00e4hre und hoffen, dass ich jemanden finde, der mich versteht. Andrey. Wer sagt&#8217;s denn?! Ein russischer Motorradfahrer, der mit seiner Freundin, Maria, ebenfalls nach Sachalin m\u00f6chte, h\u00f6rt das Brummeln meines Motorrads und steht extra auf, um nachzusehen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/MG_3139.jpg?w=525\" alt=\"\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/p>\n<p>Es geht zum Ticketschalter, raus aus dem Hafen zum Geldautomaten, da die Preise deutlich h\u00f6her sind, als im Internet berichtet und keine Kartenzahlung m\u00f6glich ist, Diskussion mit der Security (sie wollen Geld&#8230;Security&#8230;soso), wieder in den Hafen, Ticketschalter, Warteraum. Es ist 3:00 Uhr. Wann die F\u00e4hre tats\u00e4chlich ablegt, kann keiner genau sagen: Morgens. Erstmal hinlegen. Um 6:00 Uhr raus und warten. Letztlich wird es 10:00 Uhr.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/MG_3145.jpg?w=525\" alt=\"\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/p>\n<p>Den fehlenden Schlaf k\u00f6nnen wir bei der 16 st\u00fcndigen \u00dcberfahrt nachholen, denn sonst gibt es nicht viel zu tun an Bord des sichtlich betagten St\u00fcck Stahl. Essen, schlafen und den Horizont anstarren. Aber das beruhigt ungemein. Bei nem Bier kl\u00e4re ich alles mit mir wegen der Aktion vom Tag zuvor. Man kennt sich ja zu Gen\u00fcge. \ud83d\ude42<br \/>\nMitten in der Nacht kommen wir in Cholms an. Andrey, Maria und ich fahren erstmal gemeinsam los, um ein ruhiges Pl\u00e4tzchen bis zum Sonnenaufgang zu finden. Au\u00dferhalb der Stadt an der Stra\u00dfe, rollen wir unsere Matten aus. Der Sternenhimmel ist atemberaubend. Das ist unser Zelt f\u00fcr heute Nacht. Ich sehe ne Sternschnuppe. Und noch eine, und noch eine. Es h\u00f6rt nicht auf. Beinahe im Minutentakt k\u00f6nnen wir uns was w\u00fcnschen. Irgendwann gehen mir die W\u00fcnsche aus, also teste ich, ob das mit dem &#8222;Wunsch erf\u00fcllen&#8220; \u00fcberhaupt klappt. Ich brauche irgend einen Wunsch, bei dem ich schnell feststelle, ob er in Erf\u00fcllung geht&#8230;ha! Ich hab&#8217;s! Ich w\u00fcnsch mir noch ne Sternschnuppe! \ud83d\ude42 Und siehe da: Klappt!<br \/>\nEine F\u00e4hre nach Hokkaido f\u00e4hrt noch am selben Tag, aber die Bearbeitung der Tickets dauert zu lang, deswegen kann ich erst in zwei Tagen weiter. Also Sachalin anschauen. Wobei ich in der N\u00e4he von Korsakov bleiben soll, falls noch irgendwas zu kl\u00e4ren w\u00e4re. Lang suche ich nach nem Strandabschnitt, der sauber und ruhig ist. Eines von beiden trifft eigentlich nie zu. Dann finde ich ihn. Meinen Schlafplatz f\u00fcr diese Nacht: Am Meer, mit Moos bedeckter Strand (herrlich weich), sauber und ner kleinen Flussm\u00fcndung, bei denen zahlreiche Lachse versuchen zu ihrem Laichplatz aufw\u00e4rts zu schwimmen. Wenn ich jetzt Lust auf Lachs h\u00e4tte&#8230; \ud83d\ude42<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/IMG_1253.jpg?w=525\" alt=\"\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/p>\n<p>Aber ich hab schon gegessen. Das Wetter ist gut und ich beschlie\u00dfe, dasselbe Zelt wie in der vorigen Nacht zu nehmen: Den Sternenhimmel. Heute will er aber nicht wirklich gro\u00df aufleuchten. Es ziehen Wolken auf. Dann schlafe ich halt ein, ohne Sternschnuppen zu z\u00e4hlen. Ich wache auf, als ich merke, dass es regnet, nein sch\u00fcttet. Die Mooslandschaft verwandelt sich in eine Moorlandschaft. Ich ziehe um. Aus der Bodenplane des Zelts mache ich ein Behelfsbiwak. Toll, wenn die Plane dicht w\u00e4re. Ich merke es erst, als das Wasser durch den Schlafsack hindurch dringt. Alles ist nass. Um 4:00 Uhr morgens baue ich dann doch mein Zelt auf. Schnell noch trockene Sachen anziehen und dahin bibbern. Es ist kalt und ohne Schlafsack werde ich nicht wirklich warm, bleibe aber trocken. So schlafe ich dann doch noch die eine oder andere Stunde. Danach k\u00e4mpfe ich mich durch den frischen Matsch und nehme letztlich doch das Angebot der F\u00e4hragentur an, ein Zimmer im einzigen, wenn auch nicht so tollen Hotel zu nehmen. Den ganzen Tag bin ich damit besch\u00e4ftigt meine Sachen zu trocknen. Die Hotelchefin hilft mir sehr dabei. Zugegeben, eigentlich m\u00fcsste ich ehrlicherweise sagen, den ganzen Tag ist sie damit besch\u00e4ftigt meine Sachen zu trocknen und ich helfe ihr dabei. Tags drauf ging es dann endlich nach Japan. Das erste Aha-Erlebnis lie\u00df nicht lange auf sich warten. An Bord gab es f\u00fcr jeden ein Tablett mit Essen. Zwei Croissants (naja, sowas in der Art), K\u00e4se, Butter, Marmelade und ne Wienerwurst&#8230;dachte ich. War dann ne Fischwurst. Echt fies. Ich hatte ordentlich reingebissen und hatte doch einen leicht anderen Geschmack erwartet. Aber es gab ja noch zwei R\u00f6sti. Die werden das schon neutralisieren. Auch Fisch. Nichts gegen Fisch, aber der Geschmack war schon ziemlich k\u00fcnstlich. Ich gebe auf und schlaf ne Runde. In Wakkanai angekommen, soll ich als einer der Ersten von Bord, da mein Motorrad ganz vorn an der Ausfahrtrampe steht. Nicht machbar. Ich komme als einer der Letzten durch, obwohl ich Nummer 5 \ud83d\ude42 in der Schlange war. Die Warteschlange, in der ich stehe, hat als Grenzer die japanische Version von Homer Simpson erwischt. Arbeiten? Das ist doch das, was die anderen machen. Sein Kollege schafft es, alle japanischen Passagiere (knapp 100) und ein dutzend Ausl\u00e4nder abzufertigen, bis ich endlich an der Reihe bin. Aber ich komme nicht durch, da ich NOCH ein Formular auszuf\u00fcllen habe. Also zur\u00fcck. W\u00e4hrend ich so warte, kommt der Gegenpart der russischen F\u00e4hragentur zu mir und er\u00f6ffnet mir die Rechnung f\u00fcr die KFZ-Versicherung und den Einfuhrzoll. Plus Spesen. Knapp 200 \u20ac darf ich bezahlen. Na, herzlich Willkommen. Aber irgendwann bin ich dann endlich drin. Ganz ohne Carnet de Passage! Es hat geklappt! Aber auch ohne Karte und Ahnung. Die Maschine wurde zwischenzeitlich rausgeschoben. War bestimmt ein Spa\u00df mit verriegeltem Lenkradschloss.<br \/>\nMein Versuch eine japanische Telefonkarte zu besorgen, damit ich mobil Stra\u00dfenkarten herunterladen kann, scheitert, da ich kein Japaner bin. WLAN ist auch nicht, also blind ins Abenteuerland. Wie passend. Es ist Abend und alles ist teuer. Und Abend bedeutet hier: Dunkel. Stockdunkel. Um 19:00 Uhr geht die Sonne unter&#8230;nein, sie ist schon weg. Daf\u00fcr kommt sie gegen 3:00 Uhr wieder. Daran muss man sich erst mal gew\u00f6hnen. Ist bestimmt ein Marketinggag: So fr\u00fch wie hier, im Land der aufgehenden Sonne, geht sie nirgends auf.<br \/>\nVladivostok liegt um einiges westlicher, aber ist zwei Stunden voraus. Ich komme also nicht weit. Noch was essen (hurra, keine Fischwurst) und ne Unterkunft finden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/MG_3226.jpg?w=525\" alt=\"\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/p>\n<p>Am Tag darauf geht&#8217;s die K\u00fcste entlang nach Sapporo. Kaum stelle ich meine Maschine irgendwo im Zentrum ab, werde ich schon von Marcin (sprich: Martin), einem polnischen Weltreisenden, angequatscht. Er ist seit elf Jahren mit dem Motorrad unterwegs, davon die letzten sechs Jahre mit seiner (unterwegs kennengelernten) japanischen Freundin. Beide leben ausschlie\u00dflich davon, dass sie Fotos von unterwegs auf der Stra\u00dfe verkaufen. Wirklich gute Bilder. Da kann ich nicht mit halten. Allerdings fotografiert er auch mit ner Hasselblad. Dann darf er auch besser sein. Beide geben mir tolle Tipps und laden mich ein, bei ihnen zu \u00fcbernachten. Bei den Preisen hier: SEHR gerne!<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/MG_3310.jpg?w=525\" alt=\"\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/p>\n<p>Zuvor ziehe ich durch die Stadt. Schon krass. Ich bin wie geflasht. Alles bunt, alles optisch \u00fcberladen mit irgendwelchen Tafeln, Schildern, Hinweisen, \u00fcberall T\u00f6ne, denn alles gibt andauernd akustisch irgendwelche Hinweise: Ampeln, Geldautomaten, Getr\u00e4nkeautomaten, elektronische Werbeplakate, dazu noch Dauerbeschallung von Musik oder\/und Werbung bei jedem dritten Laden. Beim gr\u00f6\u00dften Elektronikmarkt der Stadt will ich aus lauter Neugier mal reinschauen und eventuell ne kleine Ersatzkamera kaufen. Drinnen ist es schlimmer, als drau\u00dfen. Wie ferngesteuert irre ich durch die G\u00e4nge und komme, ohne noch zu wissen, was ich eigentlich wollte, mit leeren H\u00e4nden wieder raus. Wau. Zwei Stunden drinnen gewesen und es kam mir einerseits vor wie f\u00fcnf Minuten, aber andererseits wie eine halbe Ewigkeit. Wie wird dann erst Tokio?<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/IMG_1271.jpg?w=525\" alt=\"\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/MG_3289.jpg?w=525\" alt=\"\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/p>\n<p>Meine Maschine gibt seit Sachalin komische Klackerger\u00e4usche von sich, au\u00dferdem w\u00e4ren neue Schlappen ganz gut, denn die Stollen der Gel\u00e4ndereifen sind nicht mehr. Achja, und dann war da noch die Sache mit meiner Hinterradfederung. Durch die hochmotivierte Schwei\u00dfaktion in Chabarowsk hat es wohl durch die Hitze die O-Ringe (meine auserkorenen Lieblinge dieser Reise) zerlegt. Was soll ich sagen? \u00d6l, Lache, kaum noch Federweg. Also zu den drei BMW Werkst\u00e4tten und nachfragen. Federbeine gibt&#8217;s keine auf Lager, aber daf\u00fcr bekomme ich &#8222;neue&#8220; gebrauchte Reifen. Die Japaner sind Sicherheitsfanaten. Da BMW ja f\u00fcr jedes Jahr bzw. alle 15.000 km (aber das schafft hier keiner, denn nach max. 10.000 km werden die Maschinen ins Ausland verkauft) einen Service vorsieht (\u00d6lwechsel), wird hier gleich mal das gro\u00dfe Programm gefahren: u.a. Reifenwechsel, neue Bremsbel\u00e4ge. Jedes Jahr. Bei vielleicht 2.000 gefahrenen Kilometern pro Jahr. Meine neuen Bridgestone (leider keine Metzeler) haben, wenn \u00fcberhaupt, 500 km hinter sich. Einen kompletten Satz, gerade mal frisch eingeschliffene, Bremsbel\u00e4ge bekomme ich einfach so. Daf\u00fcr reduziert er den Paketpreis um 50 \u20ac. Jetzt zahle ich f\u00fcr einen Satz Reifen, einmal Motorsynchronisierung und kleine Inspektion 150 \u20ac komplett. Das ist mehr als fair. Und endlich treffe ich auf einen Mechaniker, der es drauf hat. Er kennt sich echt gut aus und meine Maschine schnurrt, wie schon lange nicht mehr. Zwar nicht wie ein junges K\u00e4tzchen, aber halt auch nicht mehr wie ein ausgewachsener sibirischer Tiger mit Verdauungsst\u00f6rung. Ein bisschen Werbung kann ich da schon machen: <a href=\"http:\/\/www.nordbahn.jp\">www.nordbahn.jp<\/a><br \/>\nDanach geht es per F\u00e4hre zur Hauptinsel. In Hakodate \u00fcbernachte ich am Hausberg mit Hafenblick. Hakodate ist einfach klasse. H\u00e4tte ich das zuvor geahnt, h\u00e4tte ich mehr Zeit f\u00fcr die Stadt eingeplant, aber meine F\u00e4hrtickets sind bereits reserviert. Am F\u00e4hrhafen ist es mir zu unruhig, weswegen ich kreuz und quer durch die Stadt nach nem ruhigen Pl\u00e4tzchen suche. Irgendwann lande ich am Park des Hausbergs. Die Zufahrt zum Gipfel war gesperrt, aber mit einem Schild versehen, dass sie nachts wohl ge\u00f6ffnet wird. Das kann ich abwarten. Das Schild mit einem durchgestrichenen Motorrad habe ich einfach mal ignoriert. Das sah zu sehr nach nem Reiskocher aus und nicht nach ner Weltreisemaschine. Bei Ersterem kann ich verstehen, dass man die nicht rauf l\u00e4sst! Letzteres ist sicherlich ausdr\u00fccklich gew\u00fcnscht. \ud83d\ude42 Naja, eventuell auch nicht. Oben angekommen werde ich sofort auf den Faux-pas hingewiesen. Allerdings kommt wohl das Verbot daher, dass diese kleine Bergpassage von der Stadtjugend f\u00fcr Rennen missbraucht wurde. Diesen Eindruck vermittle ich wohl nicht. Somit werde ich ganz galant von den Ordnungsh\u00fctern ignoriert. Ungest\u00f6rt kann ich den grandiosen Blick auf die schlafende Stadt und den Hafen genie\u00dfen. ;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/MG_3362.jpg?w=525\" alt=\"\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/09\/MG_3344.jpg?w=525\" alt=\"\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/p>\n<p>An einem verlassenen Parkplatz unterhalb des Gipfels stelle ich mein Zelt auf. Doof, dass das der Treffpunkt der Sportwagenfahrer ist. Die Stadtjugend hat von Motorrad auf Auto umgeschwenkt. Gleiche Strecke, gesetzesm\u00e4\u00dfiges Gef\u00e4hrt. Und damit kann man ja soo toll Drifts und Burnouts auf verlassenen Parkpl\u00e4tzen machen. Schimpfend verlasse ich mein Zelt und baue mich vor den Jungs auf. 65 kg Lebendgewicht auf 1,72 m verteilt. Da bekomm selbst ich Angst&#8230; Sie verstehen kein Wort, k\u00f6nnen aber meinem Gesichtsausdruck ablesen, dass ich eher geneigt bin einen imagin\u00e4ren &#8222;Gef\u00e4llt mir nicht&#8220;-Knopf zu dr\u00fccken. Was hatte ich erwartet? Gel\u00e4chter? Ne Pr\u00fcgelei? Ich bin in Japan! Eine herzzerrei\u00dfende Entschuldigungsarie folgt. Und dann war Ruhe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Japan! Bin zwar schon nah dran, nur von Vladivostok aus will ich nicht nach Japan, denn mit meinem Motorrad komme ich nicht auf direktem Wege rein. Ich habe kein Carnet de Passage. 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