{"id":719,"date":"2012-07-27T08:55:39","date_gmt":"2012-07-27T05:55:39","guid":{"rendered":"http:\/\/dungeondigger.com\/?p=719"},"modified":"2012-08-16T12:11:37","modified_gmt":"2012-08-16T09:11:37","slug":"18-etappe-ulan-bator-olchon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/munich-munich.com\/?p=719","title":{"rendered":"18. Etappe: Ulan Bator &#8211; Olchon"},"content":{"rendered":"<p>Durch die langen Reparaturma\u00dfnahmen blieb ich deutlich l\u00e4nger in Ulan Bator als geplant. Die Stadt konnte ich mir dabei noch gar nicht n\u00e4her ansehen. Aber eventuell \u00fcberzeugt sie ja im Detail. Negativ. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/20120812-170253.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/20120812-170253.jpg?w=525\" alt=\"20120812-170253.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es regnet und das Wasser steht mehrere Zentimeter hoch in den Stra\u00dfen. Kein Grund f\u00fcr die Autofahrer auch nur einen Hauch langsamer zu fahren, wenn Fu\u00dfg\u00e4nger in der N\u00e4he sind. Dabei am\u00fcsieren sich die Fahrer wie kleine Kinder. Das habe ich schon die ersten Tage in der Mongolei festgestellt: Insbesondere die mongolischen M\u00e4nner sind irgendwie Kind geblieben. Wer das partout als lohnenswertes Ziel ansieht, kann es hier erleben&#8230;und seine Meinung getrost \u00fcberdenken. Es hat was Nettes, als sich z. B. die Erwachsenen mit gro\u00dfem Gel\u00e4chter hinter ihren Pferden, Gers oder hinter hohen Grasb\u00fcschel verstecken, als ich mit meinem Motorrad zur Gergruppe in der N\u00e4he von Uliastac fuhr, und immer wieder ein neues Versteck suchten, wenn ich sie dann doch entdeckte. Und die ganze Zeit mit gro\u00dfen Augen und den schnellen hektischen Bewegungen wie beim kindlichen Versteckspielen. Auch klasse, wenn Erwachsene S\u00fc\u00dfigkeiten kaufen&#8230;f\u00fcr sich. Nicht eine Tafel Schokolade oder ein Packung Guttis. Es sind mehrere Kilos. Und dann werden im Gesch\u00e4ft die eben zusammengestellten S\u00fc\u00dfigkeitst\u00fcten ge\u00f6ffnet, alles ausprobiert und jedem Umstehenden angeboten. Jeder langt zu, als h\u00e4tte es die letzten Dekaden nichts S\u00fc\u00dfes gegeben und es auf absehbarer Zeit auch nicht mehr geben wird, obwohl sie kurz darauf selbst einen Kofferraum voll kaufen werden. Es ist anstrengend, wenn etwas Ernsthaftigkeit angebracht w\u00e4re, wie z. B. im Stra\u00dfenverkehr oder bei Reparaturen.<br \/>\nAls ich von einem etwa 7 j\u00e4hrigen Jungen &#8222;geschlagen&#8220; werde, weil ich ihn daran hindere, mein soeben bestelltes Essen weg zu nehmen, beschlie\u00dfe ich, genug gesehen zu haben in diesem Land. Der Junge wirkte weder hungrig noch arm. Er sah wohl gen\u00e4hrt und gepflegt aus und hatte neue Klamotten an. Also offensichtlich kein Stra\u00dfenkind. Es war schon witzig, denn es tat nat\u00fcrlich nicht weh, aber ich konnte so einfach nicht essen. Und es war absurd. Apropos Gewalt. Noch nie zuvor habe ich Gewalt auf offener Stra\u00dfe in solch H\u00e4ufigkeit gesehen. Nahezu t\u00e4glich sehe ich, wie M\u00e4nner Frauen schlagen, egal wo im Land. Ein Mann und eine Frau schlagen sich gegenseitig, w\u00e4hrend er Auto f\u00e4hrt. Ein Mann spricht eine Frau an, scheinbar nicht sehr nett, denn sie antwortet, indem sie in ihre Einkaufstasche greift und eine soeben gekaufte Eisteeflasche nimmt und ihm unvermittelt ins Gesicht wirft. Was auch immer er gesagt hat, es war wohl ein Nein. Er wird froh gewesen sein, dass die Zeit der PET-Flaschen in der Mongolei l\u00e4ngst begonnen hat.<br \/>\nMan soll bekanntlich gehen, wenn&#8217;s am Sch\u00f6nsten ist&#8230;???&#8230;oder in diesem Fall, wenn man merkt, dass es nicht besser wird. Also Sachen packen und los. Das dauert. Da merke ich erst, dass ich noch keinen Tag Erholung hatte. Also bleibe ich noch nen Tag und zieh f\u00fcr ne Nacht in ein Ger. Meine letzte Nacht in der Mongolei und die erste Nacht in einem Ger. Dadurch spare ich mir am n\u00e4chsten Morgen die Zeit zum Packen des Zelts und kann nach nem Kaffee sofort los. Traumhafte Landschaft. Das Land kann so sch\u00f6n sein&#8230;<\/p>\n<p>Dauerte die Einreise einen ganzen Tag, so bin ich innerhalb einer Stunde durch die Kontrolle und zur\u00fcck in Russland. Die Unterschiede sind auff\u00e4llig. Die Menschen sind aufgeschlossener, interessieren sich f\u00fcr einen und versuchen einen, trotz Sprachbarriere, eher zu verstehen. Nun gut, nicht alle.<br \/>\nMein erstes Ziel ist Ulan-Ude, wo mein an mich selbst versendetes Paket warten soll. Da bin ich aber mal gespannt. Aber ohne Probleme erhalte ich mein Paket vollst\u00e4ndig ausgeh\u00e4ndigt. Das war ja einfach. Noch eine Unterkunft finden und die n\u00e4chsten Tage planen. Ich folge der Empfehlung eines Reisef\u00fchrers und quartier mich in einem Backpacker-Hostel ein. Eine Toilette f\u00fcr zwanzig Reisende. Immunsystem was willst Du mehr? Wenn das Versenden eines Pakets innerhalb Russlands so problemlos klappt, dann wage ich doch gleich mal das n\u00e4chste Level: Ein Paket ins Ausland. Ich brauche nicht mehr die gesamte Ausr\u00fcstung nach der Mongolei und die unterwegs erhaltenen Geschenke werden auf dem Motorrad auch nicht besser. Der Sohn der Guesthouse-Familie will demn\u00e4chst auch etwas ins Ausland schicken und will sehen, was es zu beachten gibt. Daher bietet er mir seine Hilfe an. Zum Gl\u00fcck. Ohne ihn h\u00e4tte ich es nicht in der Rekordzeit von vier Stunden geschafft, wenn \u00fcberhaupt. Zig Formulare (auf Russisch) ausf\u00fcllen, ein wei\u00dfes Stoff-&#8222;Kleid&#8220; f\u00fcrs Paket schneidern lassen (ich hab&#8217;s selbst nicht glauben wollen, ist aber so) und an drei verschiedenen Schaltern anstehen. Am Ende waren wir froh, dass wir es \u00fcberhaupt geschafft haben. Es ist sp\u00e4ter Nachmittag und ich wollte eigentlich an dem Tag nach Irkutsk. Das sind knapp 500 km. Hmm&#8230;das schaffe ich noch. Zwar etwas sp\u00e4t, aber ich schaff&#8217;s tats\u00e4chlich. Wieder f\u00e4llt die Wahl der Unterkunft auf ein Hostel. Brauch ich nicht zu oft. Meine Maschine findet ihre Nachtruhe auf einem angeblich bewachten Parkplatz. Am n\u00e4chsten Tag will ich Irkutsk erkunden. Ganz nett, aber Ulan-Ude gefiel mir besser. Ich beschlie\u00dfe, noch am selben Tag nach Olchon aufzubrechen. Irgendwie schwindet die Zeit wie nichts und als ich zum Hostel zur\u00fcck kehre, ist es Abend. Sp\u00e4tes Auschecken kostet extra. Na, dann bleib ich doch gleich noch hier. H\u00e4tte ich besser mal nicht gemacht. Ich komme mit einem \u00d6sterreicher bei einer Nachbarwohnung unter. Es kommt ein Chinese dazu, der unglaublich anstrengend ist. Er redet und redet und hat immer Recht, sagt er. Zumindest wei\u00df ich jetzt, warum in ganz Russland noch Lenin-Statuen stehen und meist die Hauptstra\u00dfe eines Orts nach ihm benannt ist: Er hat die Welt gerettet. Ich werde alt. Das habe ich glatt vergessen.<br \/>\nAm n\u00e4chsten Morgen fr\u00fch raus und ab zum Baikalsee. Und dann war mein Motorrad unerwartet leicht. Das musste ich erst mal verdauen. Die Angestellte des Guesthouse tat alles, was in ihrer Macht stand: Umdrehen und gehen. Good bye Werkzeug, good bye Erstazteile, good bye Digitalkamera, good bye Sicherungsfestplatte mit allen Bildern und Videos der Reise, good bye Zubeh\u00f6r der in Irkutsk neu gekauften Motorradvideokamera. Good bye&#8230;und das ist wirklich erstaunlich: Motronic-Stecker meiner BMW. Was auch immer es ist (es steuert das Benzingemisch und den Z\u00fcndzeitpunkt der Z\u00fcndkerzen), beachtlicher ist: Es befindet sich unter meinem (verschlossenen) Sitz. Ohne Schl\u00fcssel kommt man da nicht hin. Auch auff\u00e4llig, dass am Koffer keine Aufbruchspuren sind. Egal. Das Motorrad war noch da. Hatte es ja auch angekettet. Ok, dann ohne Ballast weiter. Mein iPhone und gleichzeitig meine Navi spinnt das erste Mal auf der gesamten Reise. Also verpasse ich die Abfahrt, die wie \u00fcblich nicht ausgeschildert ist, und fahre viele Kilometer in die falsche Richtung. Irgendwann merke ich es und drehe um. Ich will gerne die F\u00e4hre nach Ust-Bargusin erwischen, die nur einmal in der Woche f\u00e4hrt. Dadurch w\u00fcrde ich mir 800 km Stra\u00dfe sparen. Und ich werde sie verpassen. Und zwar mit Stil. Ich komme an und die normale F\u00e4hre f\u00e4hrt ab. Normal. Die n\u00e4chste f\u00e4hrt in \u00fcber einer Stunde. Die eigentliche Zielf\u00e4hre, Bargusin 2, w\u00fcrde erst in zwei Stunden kommen und dann auf Olchon am Hafen der Stadt Chuschir anlegen. Also habe ich zwei Varianten:<br \/>\n1. Hier auf die Bargusin 2 warten<br \/>\n2. \u00dcbersetzen, nach Chuschir fahren und dann auf die Bargusin 2<br \/>\nPl\u00f6tzlich erscheint die Bargusin 2. Viel zu fr\u00fch. Sie legt auch nicht an, sondern f\u00e4hrt kurz ans Kai, um dann wieder abzudrehen. Ein fliegender H\u00e4ndler meint, dass sie gleich wieder kommt, da die beiden regul\u00e4ren F\u00e4hren kommen und f\u00fcr drei Schiffe kein Platz ist. Sie k\u00e4me gleich danach wieder. Klingt logisch. Also ignorier ich die beiden Autof\u00e4hren und verpasse damit meine Chance Variante 2 zu nutzen. Die Bargusin 2 kommt nat\u00fcrlich nicht mehr. Ist einfach nicht mein Tag.<br \/>\nDann also \u00fcbersetzen, Olchon ansehen und alles wieder zur\u00fcck. Bei Chuschir sehe ich einen sch\u00f6nen Strand, wo ich zelten will. Die Maschine entscheidet, wo ich an dem Abend mein Zelt aufstellen soll, indem sie sich tief in den Sand eingr\u00e4bt. Von dort an hei\u00dft es: Auf nach Chabarowsk.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch die langen Reparaturma\u00dfnahmen blieb ich deutlich l\u00e4nger in Ulan Bator als geplant. Die Stadt konnte ich mir dabei noch gar nicht n\u00e4her ansehen. Aber eventuell \u00fcberzeugt sie ja im Detail. 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