{"id":689,"date":"2012-08-03T00:41:42","date_gmt":"2012-08-02T21:41:42","guid":{"rendered":"http:\/\/dungeondigger.com\/?p=689"},"modified":"2012-08-12T15:39:10","modified_gmt":"2012-08-12T12:39:10","slug":"auf-nach-chabarowsk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/munich-munich.com\/?p=689","title":{"rendered":"19. Etappe: Auf nach Chabarowsk: Olchon &#8211; Chabarowsk"},"content":{"rendered":"<p>Auf Olchon grabe ich meine Maschine , bei dem Versuch zum Strand zu kommen, in den Sand ein. Damit ist der Zeltplatz f\u00fcr heute festgelegt. <br \/><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/20120803-074041.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/20120803-074041.jpg?w=525\" alt=\"20120803-074041.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ein Ehepaar kommt, mir zu helfen. Er, Konstantin, ist ein russischer Oberstleutnant der Panzertruppe und ist begeistert einen (ehemaligen) Luftwaffenoffizier mitten in Sibirien zu treffen. Also geht es erstmal zum Essen und dann in eine russische Sauna. Konstantin und seine Frau Eleonora sind ebenfalls mit dem Motorrad auf der Insel und wollen tags drauf wieder nach Hause nach Chabarowsk. Das liegt auf dem Weg nach Vladivostok, weswegen sie mich einladen mitzukommen. Von da an durchquerten wir im Tiefflug halb Sibirien. Von Olchon bis nach Chaborowsk sind es knapp 3.500 km, die die beiden in drei Tagen zur\u00fccklegen wollen. Sportlich. Aber meinetwegen. Letztlich werden es sechs Tage mit einem Tag aufgezwungener Pause in Blagoweschtschensk unmittelbar an der chinesischen Grenze.<br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/20120812-113951.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/20120812-113951.jpg?w=525\" alt=\"20120812-113951.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><br \/>\nIch wollte schon r\u00fcber, was angeblich problemlos ohne Visum hier klappt, da die chinesische Stadt darauf ausgerichtet ist, von Tagestouristen besucht zu werden. Kostya und Elya haben aber keinen Reisepass dabei, weswegen sie nicht r\u00fcber k\u00f6nnen. Nach kurzem Hin und Her lass ich den Plan fallen. Die Pause verdanken wir der Initiative eines Freundes Konstantins, der es sich zu seinem pers\u00f6nlichen Problem erkl\u00e4rt hat, meine Maschine von allen kleinen und gro\u00dfen Macken befreien zu lassen. Der beauftragte Mechaniker ist zwar hoch engagiert, hat aber weder das Werkzeug noch die Erfahrung f\u00fcr diese heroische Aufgabe. Aber Letzteres eignet man sich durch simples Probieren an. So kommt es, dass ich ab sofort nach rechts lenken muss, um gerade aus zu fahren und die Halteschraube der Hinterradfederung abrei\u00dft. Aber es sind ja noch knapp 1cm anstatt 5cm Stahl drin, weswegen ich problemlos die restlichen 800 km fahren kann, erkl\u00e4rt man mir. Der Mechaniker ist so stolz auf seine Leistung, dass er am Abend mit reichlich Wodka feiert. Den vereinbarten Termin, die Maschine fertig zu machen, verschl\u00e4ft er um knapp f\u00fcnf Stunden. Daf\u00fcr d\u00fcrfen wir selbst die restlichen Arbeiten erledigen, denn er kann nur mit M\u00fch und Not sitzen. Und weiter auf der Strecke.<br \/>\nDie Strecke? Reine Kopfsache.<br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/20120812-113911.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/20120812-113911.jpg?w=525\" alt=\"20120812-113911.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><br \/>\nK\u00e4lber<br \/>\nFelder, Felder<br \/>\nW\u00e4lder, W\u00e4lder, W\u00e4lder<br \/>\nUm dem gutm\u00fctigen Bild aus W\u00e4lder im Regen, W\u00e4lder im Nebel und W\u00e4lder im Sonnenschein die n\u00f6tige innere Stimmung zu verleihen, bot mir meine Musiksammlung dazu passend etwas Klassik an. Auf die Frage, was ich denn da h\u00f6re, antworte ich wahrheitsgem\u00e4\u00df und mit der Erwartung einer gewissen Gegenfreude: David Oistrach.<br \/>\nWen?<br \/>\nDavid Oistrach. Russischer Geiger. Fantastisch! (und das meine ich auch)<br \/>\n??? Kennen wir nicht<br \/>\n??? Nicht m\u00f6glich! Russe!<br \/>\nMuss jemand Neues sein<br \/>\nNe, ist schon ne zeitlang tot<br \/>\nAha. Moment. David? Jude! Dann wohnte er nur in Russland und war kein Russe. Brauchen wir nicht zu kennen.<br \/>\nIch melde mich ab. Das ist bestimmt meine zehnte Erfahrung mit solchen \u00c4u\u00dferungen. Mittlerweile gew\u00f6hne ich mich daran, dass ich nachdem ich nach meinem Namen gefragt werde, noch die Nachfrage kommt, ob ich j\u00fcdischer Abstammung sei. Ungez\u00e4hlt die abf\u00e4lligen Bemerkungen \u00fcber Kasachen, Usbeken, Kirgisen oder Mongolen. Das Harmloseste ist die Bezeichnung &#8222;Schwarze&#8220;. Den Rest will ich gewiss nicht in meinem Blog lesen. Und das in einem Land, das an fast allen Ecken sichtbar, den Sieg \u00fcber die Faschisten feiert. Mittlerweile ist die anf\u00e4ngliche Begeisterung einer gewissen Ern\u00fcchterung erlegen. Weiterhin sind die Menschen \u00e4u\u00dferst gastfreundlich und f\u00fcrsorglich, aber jede M\u00fcnze hat zwei Seiten. Man bekommt nicht nur zu essen und zu trinken oder gar einen Schlafplatz, es wird auch f\u00fcr einen gedacht und entschieden. Insbesondere bei Reparaturen. So kommt es, dass eine Pressnaht am Federbein als Riss interpretiert wird und kurzerhand aufgeflext und wieder geschwei\u00dft wird. Ich sa\u00df seelenruhig ein paar Kilometer weit weg und ahnte noch nicht mal, was ich Tags drauf zu sehen bekam. Jetzt werde ich ein neues Federbein brauchen f\u00fcr den T\u00dcV. Aber es war gut gemeint.<br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/20120812-113743.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/20120812-113743.jpg?w=525\" alt=\"20120812-113743.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><br \/>\nWie auch die Entscheidung, dass ich blo\u00df nicht allein in Chaborowsk unterwegs sein darf. Was da alles passieren kann. Ich frage mich nur, wie ich es quasi allein hierher geschafft habe? Und irgendwie passt es nicht, wenn man abgesehen von diesen guten Ratschl\u00e4gen h\u00f6rt, dass Russland das beste Land sei, da die Menschen, die Gutm\u00fctigsten seien und keiner Fliege was zu Leide tun. Achja, und hier gibt es das beste Essen, die sch\u00f6nsten Frauen, die h\u00f6chste Kultur, die sch\u00f6nste Musik, die anmutigste Sprache&#8230;und wie kann ich das nur vergessen: die besten Mechaniker. Aber allein auf der Stra\u00dfe am helllichten Tag. Selbstmord. Schon witzig. Wenn man all das \u00fcber sich ergehen l\u00e4sst, kann man eine ziemlich unterhaltsame Zeit verbringen. Hatte meine erste Jam-Session in diesem Jahrtausend. \u00dcber einer der unz\u00e4hligen Werkst\u00e4tten, befand sich ein Podest mit Gitarren, Bass und Schlagzeug. Aus purer Langeweile setzte ich mich da ran und probierte herum. Konstantins Freund gesellte sich dazu und spielte auf der Gitarre und sang. Keine Ahnung was er da f\u00fcr ein Lied w\u00e4hlte, ob er es spontan so zusammenstellte oder ob es ein bekannter Song Russlands war, ich spielte mit. Wir versuchten dieses und jenes und wenn ich richtig gut gewesen w\u00e4re, h\u00e4tten wir bestimmt nen Chartbreaker entworfen. So blieb es bei einem ungezwungenen Garagen-Lalelu. Und nein: Die Videoaufnahme davon werde ich nie, nie, nie ver\u00f6ffentlichen. Es gibt keine. Nein. Bestimmt nicht. \ud83d\ude42<br \/><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/20120812-120638.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/08\/20120812-120638.jpg?w=525\" alt=\"20120812-120638.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf Olchon grabe ich meine Maschine , bei dem Versuch zum Strand zu kommen, in den Sand ein. 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