{"id":563,"date":"2012-07-20T14:15:00","date_gmt":"2012-07-20T11:15:00","guid":{"rendered":"http:\/\/dungeondigger.com\/?p=563"},"modified":"2012-10-12T23:35:27","modified_gmt":"2012-10-12T20:35:27","slug":"abenteuer-mongolei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/munich-munich.com\/?p=563","title":{"rendered":"17. Etappe: Mongolei: Tashanta &#8211; Ulan Bator"},"content":{"rendered":"<p>Morgens extra fr\u00fch aufgestanden. Das war ein Tipp von Derek, dem Engl\u00e4nder, der nach 200 km Mongolei, die Weiterfahrt abbrach. Ich bin der Einzige hier. Klasse, dann komme ich ja fr\u00fch r\u00fcber und kann am ersten Tag ordentlich Kilometer machen. Eine russische Z\u00f6llnerin kommt zum Dienst. Mehrere Minuten steht sie neben mir vor dem verschlossenen Tor, als sie mich pl\u00f6tzlich anspricht und irgend etwas mit Mongolia, Nadaam Festival und Holiday meint.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/20120710-193727.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/20120710-193727.jpg?w=525\" alt=\"20120710-193727.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Ich brauch etwas, bis ich es kapiere: Ich stehe also am 11. Juli vor verschlossenen Grenzen. Zwei Tage lang. So lange dauert das Nadaam Festival. Zwar ist von Region zu Region auch sp\u00e4ter noch ein Fest mit Pferderennen, Ringen und Bogenschie\u00dfen, allerdings habe ich nicht das Gl\u00fcck, genau solch eines zu sehen. Zwei Tage brauche ich nicht vor dem Eisentor zu stehen. Zur\u00fcck in die Berge. Das Beste aus der Situation machen. Unterwegs treffe ich eine Gruppe Polen, die auch in die Mongolei wollen. Wir beschlie\u00dfen, das zusammen zu probieren. Dominika, eine promovierte Theologin f\u00fchrt die Gruppe an, ihr Mann Hubert \u00fcbernimmt die Rolle des Pausenclowns, w\u00e4hrend Christoph, als Mechaniker, jedes technische Problem an den Motorr\u00e4dern behebt. Lila bereitet mit Dominika das Essen zu. Jeden Tag Dosenfleisch auf Brot, egal ob Fr\u00fchst\u00fcck, Mittag- oder Abendessen. Matti ist mit 20 Jahren der J\u00fcngste und der ruhige Pol. Egal wer mit der Maschine in einem Flussbett h\u00e4ngen oder im knietiefen Schlamm stecken bleibt, er schiebt sie alle kommentarlos mit seinen 2 m heraus. Und was mach ich? Ich bin Zuh\u00f6rer. Eigentlich unterhalten sich alle nur auf polnisch. Vereinzelt wird mir das Thema der Gespr\u00e4che mitgeteilt, aber das muss auch reichen. Selten war ich so einsam. Meine Versuche, mich einzuklinken, werden rigoros abgewehrt. Ansonsten bin ich f\u00fcr die Navigation zust\u00e4ndig. Die Not muss wirklich gro\u00df sein, f\u00fcr solch eine Entscheidung. Wer mich kennt, wei\u00df das. Zu meiner Verteidigung muss ich allerdings anbringen, dass wir uns nicht einmal verfahren hatten, unter meiner F\u00fchrung.<br \/>\nAber erstmal \u00fcber die Grenze. Wir wollen so fr\u00fch wie m\u00f6glich in die Mongolei. Also stellen wir uns am Abend vorher an den Grenzposten an. Diese Idee hatten auch andere.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/20120712-183434.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/20120712-183434.jpg?w=525\" alt=\"20120712-183434.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><br \/>\nUnter anderem Tschechen, Kasachen, Deutsche und Russen. Es findet spontan eine Grenzparty statt. Eine kasachische Gruppe hat ausreichend Proviant dabei und es wird f\u00fcr alle gekocht. Es flie\u00dft reichlich Bier, Whiskey und Metschnaps. Nein, kein Wodka. Jede Nation muss ein Lied aus der Heimat singen. Oje, darauf habe ich mich nicht vorbereitet. Ein anderer Deutscher stimmt &#8222;H\u00e4nschen klein&#8220; an. Ok, das kann ich auch. Alle sind begeistert. Tjaja, der Alkohol.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/20120726-170338.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/20120726-170338.jpg?w=525\" alt=\"20120726-170338.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><br \/>\nEin mongolischer Lkw-Fahrer bietet uns an, im Frachtraum seines Kamas zu schlafen: Er hat u.a. zwei nagelneue Matratzen zum ausliefern. Da sage ich nicht Nein. Wir m\u00fcssen nur den Laderaum frei r\u00e4umen und am n\u00e4chsten Morgen wieder einr\u00e4umen.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/20120726-170946.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/20120726-170946.jpg?w=525\" alt=\"20120726-170946.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><br \/>\nMorgens wundere ich mich, dass am Grenzposten kaum Menschen sind. Nur die Fahrzeuge stehen dort. Ging die Party so lange? Um 9 Uhr sollen die Tore ge\u00f6ffnet werden, also ist ja noch Zeit. Allerdings stehen sehr viele Leute knapp 1 km vor dem Posten vor einem unscheinbaren Holzh\u00e4uschen. Und das war der Trick: Jeder russische Grenzposten ist anders. Hier musste man zu diesem Holzh\u00e4uschen, um seine Migrationskarte abstempeln zu lassen. Zuvor wurde das bei der Passkontrolle gemacht. Ein Reisebusfahrer wusste das und war jetzt mit \u00fcber 40 Reisep\u00e4ssen vor uns, obwohl er Stunden nach uns erst an die Grenze kam. Lange Rede: Wir kamen erst gegen Abend in die Mongolei. Aber wir waren drin und waren gespannt auf die vielen kommenden Erlebnisse in diesem sagenumwobenen Land. Wir sollten entt\u00e4uscht werden.<br \/>\nMatti verlor bereits in der Ukraine sein vorderes Schutzblech. Bislang vermisste er es nicht, allerdings spritzte ihm jetzt der Schlamm direkt ins Gesicht. Er musste alle 2 km anhalten und sein Visier reinigen. Na, das kann heiter werden auf 2000 km Gesamtstrecke. Ein mongolischer Motorradfahrer bot seine Hilfe an. Also zu ihm nach Hause und Tee trinken.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/20120726-165658.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/20120726-165658.jpg?w=525\" alt=\"20120726-165658.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/20120726-165711.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/20120726-165711.jpg?w=525\" alt=\"20120726-165711.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><br \/>\nEs ist doch schon so sp\u00e4t: Wollt ihr nicht hier schlafen?<br \/>\nIn der Jurte?? Gerne!<br \/>\nNein, im Schuppen daneben.<br \/>\nAuch ok.<br \/>\nWir tischen unseren Proviant auf: Dosenfleisch! Die kasachisch-mongolische Familie gibt noch Brot dazu und das Festessen kann beginnen. Ironie darf angenommen werden. Jede Nation muss ein Lied der Heimat singen. Ich bin der einzige Deutsche. Da ich es so passend zu unserer Tour finde, w\u00e4hle ich &#8222;H\u00e4nsel und Gretel&#8220;.<br \/>\nDer Bruder braucht endlich etwas Motor\u00f6l f\u00fcr sein Chinamopped. Ich spendier meine angebrochene Flasche.<br \/>\nOb ich nicht noch etwas Benzin f\u00fcr ihn h\u00e4tte.<br \/>\nKlar.<br \/>\nUnd ein iPod-Ladekabel?<br \/>\n?? Nein, das brauch ich selbst.<br \/>\nUnverst\u00e4ndnis<br \/>\nW\u00e4hrenddessen richtet Christoph das Auto der Familie. Und es sch\u00fcttet ununterbrochen. Na, das wird lustig.<br \/>\nZu acht liegen wir in einem kleinen Raum auf dem Boden, nein zu sechst, die Frau und das Kind des Einladenden schlafen im Bett neben mir. Und dann kommt der n\u00e4chste Morgen.<br \/>\nEs wird ein Ersatzschutzblech an Mattis Motorrad geschraubt und eine Rechnung geschrieben: 6 Personen beherbergt. Das macht 180 US-$.<br \/>\n??? Wie bitte? Wir wurden doch eingeladen.<br \/>\nDas ist hier so \u00fcblich.<br \/>\nAja, dann stell ich mal eben ne Rechnung f\u00fcr das Motor\u00f6l und das Benzin auf. Ist bei mir jetzt auch so \u00fcblich. Man bedenke die Transportkosten! \ud83d\ude09<br \/>\nF\u00fcr Dominika, die tags zuvor schier begeistert war, bricht eine Welt zusammen. Es kommt zu einem unsch\u00f6nen Streit, bei dem ich mich so weit wie m\u00f6glich heraus halte, da bislang s\u00e4mtliche Unterhaltungen in Russisch zwischen der polnischen Gruppe und den Gastgebern gef\u00fchrt wurden, w\u00e4hrend ich wortlos nur staunen konnte \u00fcber die tolle Stimmung, die alle hatten. H\u00e4tte ich auch gerne gehabt. Wer sich unterhalten kann, kann auch Probleme l\u00f6sen. Jedoch gelingt es nicht. Es kommt zu einem Handgemenge, bei dem versucht wird Dominikas Motorradschl\u00fcssel zu entwenden. Ich soll schlichten. Dabei hatte ich schon meinen Motorradschl\u00fcssel ins Z\u00fcndschloss gesteckt, Motor gestartet und gewartet, dass es endlich los geht. Ach, mich gibt es noch? Na gut, bin ja nicht so. Also rein in die gute Stube des Pfefferkuchenh\u00e4uschens. Aus 180 US-$ werden 120, werden 60, werden 30, werden 20, werden 10. Aber die Polen wollen gar nichts bezahlen. Das will ich eigentlich auch. Aber mein Bauchgef\u00fchl sagt mir: Wir sind hier fremd, die Gastgeberfamilie nicht und sie kennen unsere geplante Strecke. Ich habe keine Lust unterwegs von Freunden des Gastgebers aufgehalten zu werden, weil &#8222;wir ihm noch Geld schulden&#8220;. So ein Anruf passiert schnell. Also gebe ich 10 US-$ und lasse mich von der ganzen Familie umarmen. Keiner der Reisegruppe wird mich jemals fragen, wie ich es schaffte, dass wir pl\u00f6tzlich winkend und l\u00e4chelnd verabschiedet wurden. Naja, eigentlich h\u00e4tte es mir gereicht, wenn jemand w\u00e4hrend meines Gespr\u00e4chs im Haus auf mein Motorrad mit laufendem Motor geachtet h\u00e4tte. Durch das defekte Z\u00fcndschloss, l\u00e4uft der Motor ja weiter, selbst wenn der Schl\u00fcssel herausgezogen wird. Ich komme heraus, setze mich auf die Maschine und fahre sofort los. Beim n\u00e4chsten Halt 50 km sp\u00e4ter, f\u00e4llt mir auf, dass mein Schl\u00fcssel nicht mehr steckt. Zum Gl\u00fcck habe ich einen Ersatzschl\u00fcssel, denn sonst w\u00fcrde es mit dem Tanken schwierig werden.<br \/>\nNoch haben Hubert und Christoph die Verantwortung des Navigierens. Sehr schleppend kommen wir voran. Es gibt ja so gut wie keine Stra\u00dfen. Es sind ja nur mehrere Verbindungen durchs Gel\u00e4nde von einer Ortschaft zur N\u00e4chsten. Sie w\u00e4hlen Strecken, die f\u00fcr sie gerade noch zu fahren sind. Lila und Dominika gelangen jedoch schnell an ihre Grenzen. Mir ist&#8217;s langsam zu bl\u00f6d und lege mich das erste Mal mit Hubert an. Nach weiteren Fehlentscheidungen soll ich die Gruppe f\u00fchren. Geht doch.<br \/>\nDie Strecke bietet alles, was man erwarten darf: Schotter, Gr\u00e4ben, Steilh\u00e4nge, Flussdurchquerungen, Sand, Wellblechpisten. Teilweise waren weite Umfahrungen notwendig, da Stra\u00dfenabschnitte entweder durch die Wassermassen des starken Regens weggesp\u00fclt wurden oder mit Ger\u00f6ll zu gesch\u00fcttet waren. Dank meiner in Almaty erworbenen &#8222;Action-Kamera&#8220; kann ich alles aufnehmen. &#8222;Schachtis Roadview&#8220; wird damit bestimmt zum Renner!<br \/>\nWir helfen einem VW Passat Fahrer aus Kasachstan, der in einem frisch entstandenen Wasserlauf h\u00e4ngen bleibt. Er l\u00e4dt uns zu seiner Familie in die n\u00e4chste Ortschaft zum \u00dcbernachten ein. Kurz noch kl\u00e4ren, was uns das kosten wird (nichts) und ab durch die mittlerweile hereingebrochene Dunkelheit durch so manchen kleinen Fluss. Mittlerweile ist es zur Routine geworden. Dort angekommen, eigne ich mich wieder nur zur Deko. Lustig wird auf Russisch geredet und meine Nachfragen mit genervten kurzen \u00dcbersetzungen abgetan. Das Verh\u00e4ltnis ist so freundlich, dass der Gastgeber uns jeden Wunsch erf\u00fcllen will. JEDEN! Ok, wir w\u00fcrden gerne in der Jurte schlafen. Nein, so weit geht die Freundschaft auch wieder nicht.<br \/>\nAm n\u00e4chsten Morgen mache ich meinen Kontrollgang ums Motorrad und stelle fest, dass meine Action-Kamera weg ist. Klar. H\u00e4tte ich mitnehmen sollen. Die Motorr\u00e4der standen ja im Hof der Familie, da muss man mit dem Schlimmsten rechnen. Zumindest ist damit &#8222;Schachtis Roadview&#8220; schon beendet, bevor es \u00fcberhaupt beginnen konnte. Offiziell ging die Kamera vor (!!) meiner letzten Videoaufzeichnung bei einem Zusammensto\u00df von Christoph und mir verloren. Er fuhr mir hinten auf und die Maschine kippte um. Dass mir danach nicht auffiel, als ich die Kamera ein- und ausschaltete, dass da \u00fcberhaupt keine Kamera mehr da ist, kann ich nur durch die tats\u00e4chlich faszinierende Landschaft erkl\u00e4ren. Naja, diese Landschaft lenkt echt ab. Nicht nur einen fehlenden Motorradschl\u00fcssel und eine Action-Kamera habe ich zu beklagen, sondern auch mein Neck-Brace und 110 \u20ac aus meinem Geldbeutel sind weg. Alles zwischen der russisch-mongolischen Grenze und 300 km dahinter verloren. Weder auf den 17.000 km davor noch auf den 2.000 km (bislang) hatte ich irgendwelche Verluste. Sp\u00e4ter getroffene Reisende berichten zum Teil exakt dasselbe. Ein Schelm&#8230;.<br \/>\nTags darauf f\u00e4llt mir ein stark nach vorn geneigter Minibus auf, der 200 m von uns entfernt steht. F\u00fcnf M\u00e4nner winken uns zu. Ein Schlammfeld. Also Motorr\u00e4der abstellen. Der Weg zum Wagen wird schwierig, da der Boden extrem glitschig ist. Zusammen bekommen wir den Wagen heraus. Und dann sind wir dran. Auch wir m\u00fcssen durch dieses Feld. Es ist extrem anstrengend und unglaublich zeitraubend, aber ohne weitere gro\u00dfe Probleme kommen wir durch. Allerdings war das erst der Anfang vom Schlamm. Ein noch gr\u00f6\u00dferes Feld wartet auf uns. Ich schlage vor, das Feld weitr\u00e4umig durch die Berge zu umfahren. Gute Entscheidung. Traumhafte Ausblicke warten auf uns. Da die Landkarten nicht sehr exakt sind, frage ich bei einem Jurten-Camp nach, wo wir genau sind. Ein Angestellter kann Englisch und fragt die mittlerweile entstandene Menschentraube. Jeder zeigt auf einen anderen Ort. H\u00e4tte ich die Karte ganz aufgeklappt, h\u00e4tte sicherlich auch so mancher schon auf Ulan Bator gezeigt, dann w\u00e4ren wir ja schon am Ziel. Zwar etwas klein geraten, aber in Rekordzeit erreicht. Ok, das ist keine Hilfe. Na, dann selber entscheiden. Wieder richtig. Wir kommen an einem kleinen Fluss vorbei. Da die letzte Waschgelegenheit schon etwas her ist, halten wir an und machen uns frisch. Ich wundere mich nur dar\u00fcber, dass unser Weg nicht mehr weiter geht. Nichts zu sehen. Dann h\u00f6ren wir einen Motorenger\u00e4usch n\u00e4her kommen: Der Fluss ist die Stra\u00dfe. Super.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/20120726-165728.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/20120726-165728.jpg?w=525\" alt=\"20120726-165728.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><br \/>\nAuf einem Bergr\u00fccken mit fantastischem Talblick stellen wir unsere Zelte auf.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/20120726-170745.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/20120726-170745.jpg?w=525\" alt=\"20120726-170745.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><br \/>\nSchon besser als die Nacht zuvor. Da campierten wir an einem See mit Trillionen von Moskitos. Na, dann k\u00f6nnen wir ja nach dem Aufstehen fr\u00fchst\u00fccken. Am See mussten wir ohne etwas zu essen fliehen. Aber das Brot ist alle und deswegen soll es kein Fr\u00fchst\u00fcck geben. Ich habe aber noch M\u00fcsli. Die Milch aus einem recht guten Milchpulver machen, das ich dabei habe und wir k\u00f6nnen den Tag gest\u00e4rkt beginnen. Allerdings besteht kein Interesse an einem dosenfleischfreien Fr\u00fchst\u00fcck. Langsam reichts mir. Ok, dann los, aber z\u00fcgig. Nene, ein platter Reifen, ein loses Schutzblech und defekte Bremsen zwingen uns zu mehr Pausen als Fahrzeit. Danach wird dann richtig gehetzt. Schlie\u00dflich haben sie nicht so viel Zeit und wollen jetzt wirklich das schon lang avisierte Etappenziel Altai erreichen. Der Sand macht mir aber zu schaffen. Ein paar Mal schaffe ich es nicht, die Maschine abzufangen und st\u00fcrze. Ich f\u00fchle mich nicht wohl. Wenn ich schnell fahren kann und auch will, kommt die Gruppe durch die schlechte Motorisierung nicht hinterher, muss ich jedoch langsamer machen, werde ich zur\u00fcck gelassen. Das hat nichts mit einer Gruppe gemein. Ich entschliesse mich, ab Altai alleine weiter zu fahren. Weiter im S\u00fcden an der W\u00fcste Gobi vorbei wird es bestimmt noch mehr Sand geben. Ich folge dem Rat eines schweizer Radfahrers, den wir unterwegs trafen und will dann Richtung Norden. Nicht nur eine bessere Strecke erwarte ich, sondern die Landschaft soll um einiges sch\u00f6ner sein. Die polnische Gruppe kann es nicht verstehen. Jeder versucht mich zu \u00fcberreden, weiter mit zu fahren. Ich h\u00f6re die sch\u00f6nsten Komplimente und bin tats\u00e4chlich kurz davor meine Entscheidung zu revidieren. Aber nur kurz. Am n\u00e4chsten Tag trennen sich unsere Wege. Ich werde sie nicht wie vereinbart in Ulan Bator sehen, obwohl sie es bis dorthin geschafft haben, &#8230; mit einiger Versp\u00e4tung. Dies erfuhr ich zuf\u00e4llig von einem Tschechen, der sie in der Stadt traf. Egal. Ab Altai gibt es ab sofort mein Tempo, meine Pausen, mein Fr\u00fchst\u00fcck, tolle Landschaft und mehr Sand als erwartet. Es kommt aber zu keinen St\u00fcrzen. Bin wohl mittlerweile erfahren genug f\u00fcr diesen Untergrund. Ich zelte neben einem Ger-Dorf und bin die Abendattraktion f\u00fcr die Bewohner.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/20120726-170820.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/20120726-170820.jpg?w=525\" alt=\"20120726-170820.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><br \/>\nSie helfen mir mein ungew\u00f6hnliches Ger aufzubauen und die Druckqualit\u00e4t meines Fotodruckers zu beurteilen: Grandios! \ud83d\ude42 Am Morgen trinke ich hei\u00dfen Tee in einem Ger direkt neben den noch tief schlafenden Kindern. Es ist unglaublich ruhig. Der zentrale Ofen wummert vor sich hin, das kochende Wasser blubbert und das ruhige Atmen der Kinder. Sehr entspannend. Als ich auf mein Motorrad aufsitzen will, kommen zahlreiche Leute: Der lokale Fotokopierladen hat doch gerade ge\u00f6ffnet. Ich bin erstaunt. Gerade mal sechs Gers z\u00e4hle ich und kann noch nicht einmal die sonst h\u00e4ufig installierten Solarzellen und Satellitensch\u00fcsseln entdecken und doch soll es hier einen Fotokopierladen geben? Faszinierend. Abgesehen davon: Was habe ich damit zu tun? Zwanzig gro\u00dfe Augen schauen mich erwartungsvoll an. Verstehe. Eine Stunde und unz\u00e4hlige alte abfotografierte und ausgedruckte Bilder von l\u00e4ngst verstorbenen Vorfahren sp\u00e4ter, wird der lokale Fotokopierladen auf unabsehbare Zeit geschlossen. Ich werde sehr herzlich verabschiedet. Die M\u00e4nner, Frauen und Kinder bleiben so lange stehen und winken mir hinterher bis ich sie aus dem R\u00fcckspiegelblick verliere.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/20120726-165755.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/20120726-165755.jpg?w=525\" alt=\"20120726-165755.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><br \/>\nEs geht den ganzen Tag durch schwieriges, einsames Gel\u00e4nde in atemberaubender Natur.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/20120726-165841.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/20120726-165841.jpg?w=525\" alt=\"20120726-165841.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/20120726-170116.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/20120726-170116.jpg?w=525\" alt=\"20120726-170116.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/20120726-170135.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/20120726-170135.jpg?w=525\" alt=\"20120726-170135.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/20120726-170227.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/20120726-170227.jpg?w=525\" alt=\"20120726-170227.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><br \/>\nAm Abend bin ich auf der Suche nach einer Dose Bier. Ich hab einfach Lust darauf. Aber kein Gesch\u00e4ft hat welches. Also probier ich es in den Stra\u00dfencaf\u00e9s. Stra\u00dfencaf\u00e9 klingt vielversprechend. Und die G\u00e4ste sollten nicht entt\u00e4uscht werden: Es gibt frisch ausgedruckte Bilder von nahezu jedem. Der lokale Rocker schenkt mir seinen Talisman, ein Schamane spricht als Dank irgendwelche Formeln und die Besitzerin des Caf\u00e9s l\u00e4dt mich ein, dort zu essen und zu \u00fcbernachten. Der Laden ist mittlerweile gesteckt voll. Jeder ruft irgendwelche Bekannten und Verwandten an, um mir beim Fotografieren zuzusehen. Langsam werden die Essensvorr\u00e4te knapp, weswegen meine Portion etwas knapper ausf\u00e4llt. Als die alten G\u00e4ste gehen, er\u00f6ffne ich die erste Dorfdisco im Ort. Mein iPhone mit meiner Musikliste ehrlicher Musik, schl\u00e4gt voll ein. Die Dorfjugend, die sechs und zw\u00f6lf j\u00e4hrigen T\u00f6chter der Besitzerin, kriegt einfach nicht genug. Und dann kommt die Rechnung. Ich soll knapp 20 \u20ac f\u00fcr die \u00dcbernachtung, das nicht bestellte Essen und das Bier bezahlen. Das ist ordentlich, damit hatte ich nicht gerechnet, weswegen ich dem DJ spontan k\u00fcndige. Das Ende der Dorfdisco. Daf\u00fcr hat jetzt die Benimm-Dich-Schule aufgemacht. Es dauert zwar etwas, aber dann fiel es ihnen auch auf: Sowas ist nicht nett, mehrere neue Bilder von jemandem abzugreifen und die ausgesprochene Einladung nicht einzuhalten. Aber das Bier m\u00fcsse ich wirklich bezahlen, das k\u00f6nnen sie sich nicht leisten. Das ist echt zu teuer. 1\u20ac wechseln den Besitzer.<br \/>\nIch bin genervt und will so schnell wie m\u00f6glich nach Ulan Bator. Mir ist es mittlerweile egal, dass ich wohl die eine oder andere Attraktion links neben mir liegen lasse. In keinem Land zuvor hatte ich gro\u00dfe Bedenken, mein Motorrad am helllichten Tag abzustellen. Jedoch wird hier nicht einfach nur alles angegrapscht, sondern gerne ausprobiert und dem Nachbarn (bei ihm zu Hause) gezeigt. Mehrfach muss ich Leute daran hindern, meinen Helm mitzunehmen, w\u00e4hrend ich direkt am Motorrad stand. Es mag in den wenigsten F\u00e4llen mit der Absicht geschehen sein, ihn zu entwenden, aber ich f\u00fchle mich nicht wohl. Viel zu selten ein freundlicher Blick, daf\u00fcr ein genaues Analysieren, wie ich mein Gep\u00e4ck vor Diebstahl sichere.<br \/>\nDie Mongolei w\u00e4re toll, wenn die Masse der Leute, die ich traf, nicht so w\u00e4ren, wie sie sind. Es ist bezeichnend, dass die deutsche Betreiberin eines Guesthouse nach 13 Jahren in der Mongolei, das Land schnell verlassen m\u00f6chte, da sich die Mentalit\u00e4t so stark ins Negative ver\u00e4ndert hat.<br \/>\nAufgrund gr\u00f6\u00dferer Reparaturbed\u00fcrfnisse an meinem Motorrad bleibe ich l\u00e4nger als erhofft und geplant.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Morgens extra fr\u00fch aufgestanden. Das war ein Tipp von Derek, dem Engl\u00e4nder, der nach 200 km Mongolei, die Weiterfahrt abbrach. Ich bin der Einzige hier. Klasse, dann komme ich ja fr\u00fch r\u00fcber und kann am ersten Tag ordentlich Kilometer machen. Eine russische Z\u00f6llnerin kommt zum Dienst. Mehrere Minuten steht sie neben mir vor dem verschlossenen &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/munich-munich.com\/?p=563\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201e17. 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