{"id":451,"date":"2012-06-17T17:27:24","date_gmt":"2012-06-17T14:27:24","guid":{"rendered":"http:\/\/dungeondigger.com\/?p=451"},"modified":"2012-06-24T14:08:49","modified_gmt":"2012-06-24T11:08:49","slug":"13-etappe-chiva-tashkent","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/munich-munich.com\/?p=451","title":{"rendered":"13. Etappe: Chiva &#8211; Tashkent"},"content":{"rendered":"<p>Seit Tagen das erste Mal wieder allein unterwegs. Wie bei so vielem, gilt auch beim Reisen alleine: Keine Vorteile ohne Nachteile.<br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/20120621-183840.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/20120621-183840.jpg?w=525\" alt=\"20120621-183840.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><\/p>\n<p><!--more Weiter--><\/p>\n<p>Klarer Vorteil: Keine Kompromisse bei der Tourenwahl und -ausgestaltung.<br \/>\nAber:<br \/>\nMit wem unterh\u00e4lt man sich \u00fcber die Erlebnisse des Tages?<br \/>\nWer hilft einem jetzt beim Aufrichten der Maschine, wenn evtl. wieder kleine Beamte Umsturzambitionen hegen?<br \/>\nWer erinnert mich als Nichtraucher an die Raucherpausen? Die Tankanzeige k\u00f6nnte das \u00fcbernehmen. Das hatte sie Tage zuvor auch richtig gut drauf gehabt.<br \/>\nMit wem teilt man die Aufgaben, die nun mal bei so einer Fahrt anfallen? Zu zweit ist es halt u.a. einfacher, die Maschinen zu tanken. Seit der Ukraine muss die ben\u00f6tigte Benzinmenge an der Kasse zumindest bestellt, teilweise auch zuvor bezahlt werden. Bestellt man zu wenig, muss man nochmal hin und nachordern. Bestellt man zuviel, hat man je nach Tankstelle entweder Pech gehabt und der Kassierer beh\u00e4lt das zu viel bezahlte Geld, oder man erh\u00e4lt das Geld ordentlich abgerundet zur\u00fcck. Letztlich ist es ein regelm\u00e4\u00dfiges Hin und Her zwischen Zapfs\u00e4ule und Kasse. Da ist es schon gut, wenn w\u00e4hrenddessen jemand auf die Maschinen aufpasst.<br \/>\nEgal, jetzt geht&#8217;s alleine weiter. Bin ja auch alleine gestartet. Schnell noch verabschieden, am Stadtrand tanken (das &#8222;gute&#8220; 80 Oktan Gepansche, wenn es \u00fcberhaupt Sprit gibt) und raus aus der Stadt. Bislang finde ich das als das Schwierigste bei dieser Reise. IN eine Stadt kommt man irgendwie immer. Das Zentrum, von wo aus man sich weiter orientieren kann, findet man auch relativ gut. Aber aus einer Stadt in die richtige (!!) Richtung hinaus, ist nicht immer so einfach. Es gibt so gut wie nie Wegweiser. Die Leute auf der Stra\u00dfe wissen ziemlich selten, wohin es zur gew\u00fcnschten Stadt geht. Das hindert nat\u00fcrlich niemanden daran, einem einen Weg zu zeigen. Jede dritte Wegbeschreibung ist dann auch richtig.<br \/>\nAus Chiva geht es ziemlich gut. Die zweite Tankstelle, die ich anfahre, hat tats\u00e4chlich Benzin. Irgendwie scheint meine Anwesenheit auch andere Spritsuchende anzuziehen. Eben noch der Einzige, bildet sich schon eine Schlange, w\u00e4hrend ich den Tankrucksack abnehme. Ich bestelle 30 Liter. Der Fahrer neben mir protestiert: So viel kann gar nicht in einen Motorradtank reingehen, deswegen ist er zuerst dran. Das nenn ich ne Logik. Ich bleibe bei meinen 30 Liter. Der Fahrer hinter mir bef\u00fcrchtet wohl, dass es keinen Sprit mehr danach geben wird, deswegen legt auch er Protest ein und schnappt sich den Zapfhahn aus meinem Tank. Jetzt werde ich langsam sauer. Schlie\u00dflich habe ich schon bezahlt und Pausenclown spiele ich ungern. Zapfhahn zur\u00fcck und ungef\u00e4hr zw\u00f6lf erstaunte Gesichter sehen wie knapp 25 Liter in meinem Tank verschwinden. Die restlichen f\u00fcnf Liter f\u00fclle ich in meinen Reservekanister. Der Fahrer hinter mir findet schnell zu seiner Hektik zur\u00fcck und hupt von jetzt an bis ich die Tankstelle verlasse. Ich fange mir noch ein paar Schimpftiraden ein und tucker davon. Morgens noch ein Loblied auf die Freundlichkeit der Usbeken gesungen, stelle ich halt fest: Man kann hier auch anders.<br \/>\nEs geht nach Buchara. Erst durch unz\u00e4hlige Ortschaften, dann \u00fcber eine Eisenbahnbr\u00fccke, die auch von Autos genutzt werden kann, \u00fcber einen kupferfarbenen Fluss<br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/20120621-183516.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/20120621-183516.jpg?w=525\" alt=\"20120621-183516.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><br \/>\nund dann 80 km lang schlechteste Stra\u00dfe mit Sandpartien.<br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/20120621-183724.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/20120621-183724.jpg?w=525\" alt=\"20120621-183724.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><br \/>\nObwohl relativ fr\u00fch gestartet, komme ich kurz vor Sonnenuntergang im 500 km entfernten Buchara an. Die Suche nach dem Stadtzentrum erschwert sich, da es zwei gibt: Das historische und das neue Stadtzentrum.<br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/20120621-183741.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/20120621-183741.jpg?w=525\" alt=\"20120621-183741.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><br \/>\nNach l\u00e4ngerem Suchen kann ich endlich die kleine \u00dcbersichtskarte aus dem Reisef\u00fchrer zur Orientierung verwenden. Buchara hat viel zu bieten, weswegen ich drei Tage bleiben m\u00f6chte. Etwas Erholung schadet mir sicherlich auch nicht. Ich quartier mich in eine neue Unterkunft ein, bei der ich der einzige Gast bin. Welch Luxus! Ruhe pur!<br \/>\nAm n\u00e4chsten Morgen will ich die Stadt erobern. Es dauert keine hundert Meter, da werde ich von einer \u00e4lteren Dame angesprochen, ob ich nicht eine Stadtf\u00fchrung haben m\u00f6chte.<br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/20120621-183633.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/20120621-183633.jpg?w=525\" alt=\"20120621-183633.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><br \/>\nIch kann noch nicht einmal antworten, da f\u00e4ngt sie schon mit der F\u00fchrung an. Zwischendurch verhandeln wir den Preis und den Umfang der F\u00fchrung. Also zwei Stunden w\u00fcrde es dauern. Klasse, dann kann ich die Mittagshitze meiden, denn die ist hier unertr\u00e4glich. Woher ich das schon am ersten Tag wei\u00df? Die F\u00fchrung dauerte letztlich 4,5 Stunden und ich f\u00fchlte mich wie frisches D\u00f6rrobst. Die letzten anderthalb Stunden bestanden aus:<br \/>\n&#8222;Nur noch diese Sehensw\u00fcrdigkeit und dann sind wir fertig!&#8220;<br \/>\n&#8222;Wasser!&#8220;<br \/>\nUnabh\u00e4ngig davon war die F\u00fchrung der absolute Hammer. Alles was Buchara zu bieten hat, zeigte sie mir und erz\u00e4hlte alles Wissenswerte dazu, auch Geschichten, die nicht im Reisef\u00fchrer stehen. Sie kennt einen Wachmann einer alten nicht mehr betriebenen Medressa, weswegen ich die alten Gem\u00e4uer alleine erkunden darf. \u00dcber steile Wendeltreppen geht es bis zum Dach hinauf, von wo ich einen guten Blick \u00fcber die Altstadt Bucharas erhalte,<br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/20120621-183620.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/20120621-183620.jpg?w=525\" alt=\"20120621-183620.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><br \/>\nwieder hinunter in die ehemaligen Unterk\u00fcnfte, wo ich den einen oder anderen Geheimgang durchkrieche.<br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/20120621-183650.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/20120621-183650.jpg?w=525\" alt=\"20120621-183650.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><br \/>\nIch muss eh mal wieder waschen, dann kann die Hose ruhig dreckig werden. Sp\u00e4ter schaut sie mich an, sch\u00fcttelt den Kopf, packt mich an den Schultern, dreht mich um und streift mit den H\u00e4nden den Staub von meinem R\u00fccken. Oh&#8230;da hab ich mich wohl gegen eine Wand gelehnt. Klar.<br \/>\nIm kleinen Freizeitpark wartet die usbekische Mickey Mouse, die mich sogleich von hinten \u00fcberf\u00e4llt.<br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/20120621-183709.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/20120621-183709.jpg?w=525\" alt=\"20120621-183709.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><br \/>\nAnschlie\u00dfend folgt eine lange Verbr\u00fcderungsaktion zwischen ihr und mir, bei dem intensives Umarmen die Hauptrolle spielt. &#8230;und das bei der Hitze. Ich beneide den Menschen in diesem Kost\u00fcm nicht um seinen Job. Mir ist jetzt schon unglaublich hei\u00df. Auf jeden Fall ist jetzt mein R\u00fccken wieder richtig sauber. Unterwegs kommen wir an einem uralten Hammam vorbei. Ach, warum eigentlich nicht? Ich vereinbare einen Termin inklusive Massage, bei der mir versprochen wird, dass ich mich danach wie frisch geboren f\u00fchlen werde. Ich kann mich zwar nicht mehr erinnern, wie ich mich damals f\u00fchlte, aber das ist doch mindestens ein weiterer Grund dort hinzu gehen: Der Erinnerung wegen.<br \/>\nAllzu viel Zeit bleibt mir nach der F\u00fchrung nicht mehr, meinen K\u00f6rper mit Fl\u00fcssigkeit aufzuf\u00fcllen, aber irgendwas muss ich ja zum Wegschwitzen haben. Schnell ne Flasche Wasser reinkippen. Ich habe das Gef\u00fchl, das Wasser verdunstet, bevor es meinen Magen erreicht.<br \/>\nEgal, rein in das Vergn\u00fcgen. Schwitzen. Das kann ich drau\u00dfen auch. Aber hier schwitzt man mit Stil. Dann kommt der Vollstrecker. Er scheint schlechte Laune zu haben, auch wenn er so l\u00e4chelt&#8230;oder&#8230;ach egal.<br \/>\nDer Ansatz der Massage ist, jeden Muskel auf sein Maximum zu dehnen. Zum Gl\u00fcck habe ich intakte Gelenke, denn auch die werden hierbei maximal strapaziert. Wenn ich mich danach wie frisch geboren f\u00fchlen soll, dann f\u00fchle ich also just in diesem Moment die Geburt?! Ok, deswegen die Erinnerungsl\u00fccke. Die zweite Geburt ist mehr eine Nahtoderfahrung und l\u00e4sst sich vereinfacht wie folgt beschreiben: Er nimmt mich an meinen Haxen und schleudert mich willk\u00fcrlich gegen die W\u00e4nde, wobei er peinlichst darauf achtet, dass jede Stelle meines K\u00f6rpers mindestens einmal getroffen wird. Irgendwann tanzt er auf meinem R\u00fccken. Aha, das ist der Siegesrhythmus. Ist es nun vorbei? Nein, er sortiert meine K\u00f6rperst\u00fccke und f\u00fcgt sie sporadisch zusammen. Zum Gl\u00fcck hat er Erfahrung, denn ich kann ihm gerade nicht bei der Suche helfen. Der Kleber des Tages ist eine Honig-Ingwer-Paste, die bei gr\u00f6\u00dfter (!!!) Hitze austrocknen muss. Nicht nur die Paste. Dann ist es vorbei und ich f\u00fchle mich&#8230;gut!&#8230;wie frisch geboren! &#8230; w\u00fcrde ich beinah in meinem neu gewonnenen jugendlichen Eifer sagen.<br \/>\nZum Abschluss und gegen den unmenschlichen Durst gibt es eine frisch aufgebr\u00fchte Tasse Tee. Ihr Sadisten! Minutenlanges Warten auf eine trinkbare Temperatur, w\u00e4hrend man vor dem bisschen Fl\u00fcssigkeit sitzt und es halb hypnotisierend anstarrt. Es kommen zwei Engl\u00e4nder rein. Sie wollen das Gleiche wie ich. Ich sage ihnen, wenn sie das Gef\u00fchl haben werden, sterben zu m\u00fcssen, dann ist die H\u00e4lfte des Programms vorbei. Sie l\u00e4cheln. Zwei Minuten sp\u00e4ter, noch w\u00e4hrend des Aufw\u00e4rmens kommt einer und fragt nach Wasser. Die Masseure versprechen, welches zu kaufen. Keiner r\u00fchrt sich. Kaum ist der Engl\u00e4nder verschwunden, lachen sie lauthals und erh\u00f6hen die Zeit, in der sie die beiden aus dem Dampfraum heraus holen, um f\u00fcnf Minuten. Zur\u00fcck ins Hotel. Von da an schlafe ich stundenlang. Den n\u00e4chsten Tag verschlafe ich nahezu komplett. Zwischendurch sehe ich mir das Deutschlandspiel gegen die Niederlande unter freiem Sternenhimmel mit f\u00fcnf Usbeken an.<br \/>\nMein Motorrad steht beim Nachbarn im Innenhof. Ich will schnell nach dem Rechten sehen und das Meiste schon f\u00fcr die Abfahrt tags darauf verzurren. Zwei Wodkaflaschen sp\u00e4ter, glaube ich alles erledigt zu haben, was ich vorhatte. Unter anderem verhindern, dass meine Maschine gegen einen klapprigen Kia eines Bekannten eingetauscht wird. Einfach die Maschine im Hof von jemandem abstellen geht hier nicht. Nein, daf\u00fcr muss man Trinken. Und zwar jedes Glas auf Ex. Wir sto\u00dfen an auf: BMW, Deutschland, Persien (beide sind keine Usbeken), die Frauen, meine Maschine, Deutschlands Sieg gegen die Niederlande, Deutschlands ganz bestimmten Sieg gegen D\u00e4nemark, Deutschlands ganz bestimmten Sieg im Viertelfinale, + Halbfinale, + Finale und auf den Sieg der Europameisterschaft. Keinem von uns fiel die Dopplung auf. Achja und auf Wodka und auf Bier. Dann wurde ich entlassen.<br \/>\nEs geht nach Samarkand. Herrlich unaufregende Strecke. Zwar hei\u00df aber mehr nicht. 20 km vor Samarkand treffe ich Jacques wieder, den Franzosen, der seit 18 Jahren mit dem Fahrrad unterwegs ist. Er sieht nicht gl\u00fccklich aus. Eine Felge ist bei &#8222;Road of Hell&#8220; gebrochen. Entsprechend schwer geht es voran. Ich biete ihm an, Gep\u00e4ck abzunehmen. Ne, er will nicht. Ok.<br \/>\nJetzt will ich mal so ein Backpacker-Hostel ausprobieren, wo sich ALLE Individualreisende aus freien St\u00fccken, durch Lonely Planet inspiriert, einquartieren. Samarkand ist gro\u00df, so ein Hostel klein und f\u00fcr Einheimische unbekannt. Kreuz und quer geht es durch die Stadt. Mehrfach fahre ich eine gro\u00dfe Stra\u00dfe rauf und runter, weil selbst Polizisten nicht wissen, wo sich die gesuchte Stra\u00dfe befindet. Irgendwann will ich die Suche aufgeben und stehe vor dem Geb\u00e4ude. Aha. Das Mekka der Individualisten. Ich bin mittlerweile zu der \u00dcberzeugung gekommen, dass nur die konsequente Weigerung einer Renovierung, die Missachtung s\u00e4mtlicher Hygienevorschriften und die Abwesenheit jeglichen Komforts die Option zur Erw\u00e4hnung in diesem Reisef\u00fchrer als Backpacker-Tipp offen h\u00e4lt. Nun gut. So eine individuelle Reise muss Abenteuer bieten. Zu jedem Zeitpunkt. Wehe die Freunde und Bekannte zu Hause k\u00f6nnten den Eindruck gewinnen, man habe durch flie\u00dfend Wasser auch nur den Ansatz von Zivilisation genutzt: Respekt hinfort! Ok, ich \u00fcbertreibe. Bis zum Schluss finde ich aber nichts, was mich hierher wieder treiben lassen k\u00f6nnte. Klar, man trifft einige nette Leute aus der ganzen Welt (wenn die Welt nur aus Franzosen, Schweizern, Deutschen und \u00d6sterreichern besteht), die Infos zur eigenen geplanten Strecke haben oder selbst Infos von einem abgreifen. Es ist ein Geben und Nehmen. Mehr nicht. Die Stimmung ist sehr entspannt. Zum Gl\u00fcck kein &#8222;mein Auto, mein Haus, meine Yacht&#8220; Gespr\u00e4che \u00fcber die eigenen Touren. Das ist wirklich positiv. Ich treffe auf zwei schweizer P\u00e4rchen, die unabh\u00e4ngig voneinander mit dem Rad die Welt bereisen, ein L\u00fcbecker \u00c4rztep\u00e4rchen Anfang 30, die zwei Jahre lang jede unbeliebte Schicht \u00fcbernommen haben, um jetzt drei Monate am St\u00fcck mit einem alten Bundeswehr-Jeep u.a. den Pamir-Highway zu bereisen. Ich bin der einzige Motorradreisende. Also wird es alleine weiter gehen. Im Schnelldurchgang sehe ich mir Samarkand an.<br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/20120621-183805.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/20120621-183805.jpg?w=525\" alt=\"20120621-183805.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><br \/>\nSchade. Samarkand war eines meiner Hauptreiseziele, und jetzt habe ich nur einen Tag Zeit. Aber ich habe genug gesehen, um zu entscheiden, dass ich wieder her kommen werde. Ich decke mich mit getrockneten Obst, Cashewn\u00fcssen, gezuckerten Mandeln und Pistazien ein.<br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/20120621-183931.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/20120621-183931.jpg?w=525\" alt=\"20120621-183931.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><br \/>\nHerrlich. So schmeckt Urlaub. Der ganze Basar ist ein Erlebnis.<br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/20120621-184014.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/20120621-184014.jpg?w=525\" alt=\"20120621-184014.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><br \/>\nAber ich muss weiter nach Tashkent. Auch hier: Strecke bedarf keiner besonderen Erw\u00e4hnung, Backpacker-Hostel g\u00e4nzlich unbekannt. Ein junger Mann im Anzug und in einem neuen Mercedes bietet mir an, mich hin zu f\u00fchren. Gerne. Welch Wunder, dass es zuvor zur Angebetenen geht. Sie haben ein Date. Eventuell ist sein aufopferungsvolles Handeln mir gegen\u00fcber auch von Vorteil ihr gegen\u00fcber. Jetzt sollte Mann nur noch wissen, wo sich die gesuchte Stra\u00dfe befindet. Mal fahren wir da hin&#8230;dann wieder wo anders hin und wieder zur ersten Stelle. Sie hat genug gesehen und beschlie\u00dft, dass ich bestimmt das Hostel alleine finden werde. Klar. Ich bin jetzt schon eine Stunde in Tashkent: Ich kenne Tashkent! Alle mir nach!<br \/>\nEs findet sich dann doch noch jemand, der mich wieder durch die Stadt f\u00fchrt und nach langem Telefonieren direkt vor dem Geb\u00e4ude quasi absetzt. Aber das Hostel ist ausgebucht. Der junge Mann vor Ort kann nicht verstehen, dass ich keine weitere Unterkunft hier kenne und keinen Stadtplan habe. Denn beides beansprucht er f\u00fcr sich. Wie kann man nach Tashkent kommen ohne diese essentiellen Informationen? Letztlich empfiehlt er mir doch eine Unterkunft, die vom Reisef\u00fchrer ganz galant als das &#8222;dunkelste Loch gesamt Zentralasiens&#8220; beschrieben wird. Drau\u00dfen treffe ich einen Neuseel\u00e4nder, der diese Aussage sofort best\u00e4tigt. Ok, dann mach ich mich selbst auf die Suche. Eigentlich nicht schlimm, denn auch hier w\u00e4re ich der einzige Motorradreisende gewesen. Ich finde am anderen Ende der Stadt etwas. Am n\u00e4chsten Tag erkunde ich Tashkent. Aufgrund der Hitze entscheide ich mich f\u00fcr die Metro. Meine Station ist die Kosmonautika.<br \/>\n<br \/><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/20120621-183821.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/dungeondigger.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/20120621-183821.jpg?w=525\" alt=\"20120621-183821.jpg\" class=\"alignnone size-full\" data-recalc-dims=\"1\" \/><\/a><br \/>\nUnglaublich toll. Leider darf man nichts fotografieren, was durch die st\u00e4ndige Pr\u00e4senz eines Polizisten auch gew\u00e4hrleistet wird. Die U-Bahnstationen sind n\u00e4mlich auch Luftschutzbunker und somit Milit\u00e4rbereich. Nicht nur auf den Bahnsteigen ist Polizei, sondern auch bei den Eing\u00e4ngen. Jedes Mal muss ich mich ausweisen und mein Habseligkeiten vorzeigen. Keiner interessiert sich f\u00fcr meine AK47, meine Panzerfaust oder meine Mini-Atombombe. Alle st\u00fcrzen sich auf meine mittlerweile erworbene Stadtkarte Tashkents. Ich glaube, die k\u00f6nnte ich gewinnbringend verkaufen.<br \/>\nAbends geht es ins deutsche &#8222;Brauhaus&#8220;, wo ich mir das Deutschlandspiel gegen D\u00e4nemark ansehen will. Aber leider haben sie nur Analogempfang, weswegen sie nur eine eingeschr\u00e4nkte Auswahl an Sendern haben. Lange Rede kurzer Sinn: Zwei Stunden dort, mit Versprechen des Managers das Deutschlandspiel zu zeigen, um dann zehn Minuten nach dem Anpfiff kleinlaut zugeben zu m\u00fcssen, dass sie den passenden Sender nicht haben. Ok, dann Party allein. Wenigstens gewonnen. Bombenstimmung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Tagen das erste Mal wieder allein unterwegs. 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