{"id":273,"date":"2012-05-23T21:19:41","date_gmt":"2012-05-23T18:19:41","guid":{"rendered":"http:\/\/dungeondigger.com\/?p=273"},"modified":"2012-05-26T07:07:00","modified_gmt":"2012-05-26T04:07:00","slug":"lektionen-in-gastfreundschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/munich-munich.com\/?p=273","title":{"rendered":"Lektionen in Gastfreundschaft"},"content":{"rendered":"<p>Kaum ein Reisef\u00fchrer, der nicht die Gastfreundlichkeit in der Ukraine hervorhebt. Gut so, denn ansonsten w\u00fcrde es nach meinen bisherigen Erfahrungen gar nicht existieren.<\/p>\n<p><!--more Weiterlesen--><\/p>\n<p>Ich war schon in einigen L\u00e4ndern. Dort habe ich positive wie negative Erfahrungen gesammelt. Aber was ich hier erlebe, kann ich nicht besonders positiv bewerten. Leider.<br \/>\nEigentlich hatte ich mich sehr auf dieses Land gefreut. Die Natur, die Landschaft sind grandios. Die Menschen sind im Grunde auch nett, aber ich unterscheide zwischen nett und gastfreundlich. Teilweise habe ich auch beinahe aufopferungsvolles Handeln erlebt, um im Nachhinein festzustellen, dass es nicht um mein Wohl, sondern um ein erhofftes Zubrot ging.<br \/>\nIn Bakhchtysaray wurde ich umsorgt, sei es um eine Unterkunft zu finden, die grottig war, Essen anzubieten, das gerade noch akzeptabel war oder um einen &#8222;sicheren&#8220; Stellplatz f\u00fcr mein Motorrad zu Verf\u00fcgung zu stellen, das allen Anspr\u00fcchen eines &#8222;Motorradinteressierten&#8220; gen\u00fcgte&#8230;nur nicht meinen. Es wird mit viel Bohei augenscheinlich das anliegende Problem des Reisenden gel\u00f6st. Kaum gen\u00fcgt die L\u00f6sung in den Augen der Einheimischen und haben ihren Teil erhalten, sind sie verschwunden.<br \/>\nEs wird mir eine Unterkunft angeboten. Alles ok soweit. Zimmer gesehen. Nehm ich. Aber Vorauszahlung. Hmm&#8230;na gut. Geld gegeben und weg. Nicht mehr gesehen. Ich stelle fest, dass kein Wasser l\u00e4uft. Niemand da. Naja, richte ich es halt selbst. Abfluss der Dusche zu. Klar: Mein Problem. Direkt neben dran ist ein Caf\u00e9, in dem laute Musik gespielt wird. Angeblich nur bis 23:00. Um 3:00 war sie dann tats\u00e4chlich aus. Ich sprech den Besitzer darauf an. Mehr als umdrehen und gehen war nicht drin f\u00fcr ihn.<br \/>\nSchon der erste Abend hier, zeigte schon ein \u00e4hnliches Bild. Spricht man etwas an, was nicht funktioniert, bekommt man bestenfalls ein L\u00e4cheln und ein &#8222;Sorry&#8220;. Das muss wohl gen\u00fcgen.<br \/>\n&#8211; Wann ich fr\u00fchst\u00fccken wolle?<br \/>\n&#8211; Wann geht es denn?<br \/>\n&#8211; Wann immer ich will.<br \/>\n&#8211; Ok, um 7:00.<br \/>\n&#8211; Das ist zu fr\u00fch.<br \/>\n&#8211; Gut, um 7:30.<br \/>\n&#8211; Zu fr\u00fch.<br \/>\n&#8211; 8:00?<br \/>\n&#8211; Da essen schon andere.<br \/>\n&#8211; Ja und?<br \/>\n&#8211; Zu wenig Platz<br \/>\n&#8211; 8:30!!!!<br \/>\n&#8211; Nein, da sind die noch nicht fertig.<br \/>\n&#8211; Ok, um 9:00.<br \/>\n&#8211; Ja, das geht.<br \/>\n&#8230;es ist 9:00h und werde in eine abstellkammer\u00e4hnliche K\u00fcche gebracht, wo ich mein Fr\u00fchst\u00fcck bekomm, denn die anderen kamen doch nicht um 8:00h und sind somit noch nicht fertig. Aber hier h\u00e4tte ich ja auch um 8:00h essen k\u00f6nnen. Stimmt. Warum muss ich mich JETZT nach den anderen richten?? Richtig: &#8222;Sorry&#8220;<br \/>\nDas Highlight: Ich suche mal wieder ein Unterkunft. Campingplatz ist zu. Zu viele herumstreunende Hunde, um wild zu campen. Also fahr ich in einer Ortschaft zu einer Pension. Wie ich feststelle, wird dort gerade umgebaut. Aber ein Zimmer ist fertig. Leider spricht keiner deutsch oder englisch. Das Russisch ist schon sehr verf\u00e4lscht hier. Auch ich verstehe nichts. Es wird ein Bekannter herbeigerufen, der \u00fcbersetzen soll. Er wirkt sehr nett. Wir vereinbaren einen Preis. Ich frage nach einer Unterstellm\u00f6glichkeit f\u00fcr mein Motorrad. Der Herbeigerufene bietet an, dass ich meine Maschine bei ihm abstellen kann. Er w\u00fcrde voraus fahren, ich hinterher und er bringt mich mit dem Auto wieder zur\u00fcck. Ok. Bei ihm angekommen, wird das Tor verriegelt und ich werde in die Wohnung gef\u00fchrt. Jetzt soll ich hier schlafen. Die Mutter kocht. Sehr nett werde ich begr\u00fc\u00dft. Ich denke mir, dass ich wohl jetzt quasi eingeladen bin. W\u00e4re nichts Ungew\u00f6hnliches laut so manchen Beschreibungen. Das Zimmer und das Bad sind schon ziemlich unterirdisch, aber was soll&#8217;s. Aber dann wird abkassiert. Ich soll den vereinbarten Preis f\u00fcr die vorherige (neue) Unterkunft bezahlen. Und zwar sofort. Ich protestiere. Man gibt mir zu verstehen, dass ich sonst nur schwer rauskomme. Gegessen wird ohne mich. Ich frage nach Wasser. Man schickt mich zum n\u00e4chsten Gesch\u00e4ft. Seit dem rede ich nur noch deutsch und zwar herb. Das funktioniert. Leider. Jetzt traut sich keiner mehr mich anzusehen.<br \/>\nVergessen sind da schon die Kleinigkeiten wie das Motorrad zuparken, ausbremsen, an der Tankstellenkasse wegrempeln, die T\u00fcr vor einem zumachen oder auch mehrmals erlebt: Dieser (\u00f6ffentliche und an sich kostenlose) Parkplatz kostet 20 UAH (Ukrainische Hrywnja, sprich Grinja, ca. 1,80\u20ac; durchschnittlich der halbe Tageslohn hier) oder man m\u00fcsse was bei demjenigen essen\/trinken\/kaufen. Diesem Land fehlt mehr als nur Demokratie. Noch nie habe ich mich so sehr auf Russland gefreut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum ein Reisef\u00fchrer, der nicht die Gastfreundlichkeit in der Ukraine hervorhebt. 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